Stromaufwärts: Aus einem Frauenleben by Angela Langer

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By Abil Kile Posted on Dec 30, 2025
In Category - Neval
Langer, Angela, 1886-1916 Langer, Angela, 1886-1916
German
Have you ever wondered about the lives of women just a few generations before us, whose names history almost forgot? 'Stromaufwärts' is a rediscovered diary from a young German woman, Angela Langer, written between 1907 and 1916. It’s not a grand historical epic, but something much more intimate: the real-time thoughts of a woman navigating family expectations, her own artistic dreams, and the slow, terrifying drift of Europe toward World War I. The central tension is quiet but powerful: How do you build a life of your own when the world seems determined to pull you in a different direction? Reading it feels like finding a secret letter from the past, addressed directly to you.
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Meine Eltern hatten einen kleinen Laden und eine ganz kleine Wohnung dabei. In dem Laden lagen viele Sachen, wie Kerzen, Seifen, Bürsten und noch anderes, das mir ungeheure Achtung einflößte. Wenn Weihnachten herannahte, erhielt mein Vater jedesmal eine gewaltige Kiste, deren Auspacken mein größtes Glück war. Oft verschob mein Vater diesen feierlichen Akt, und in meiner Ungeduld mahnte ich ihn manchesmal daran. Wenn er dann endlich eines Morgens erklärte, er würde heute die Kiste öffnen, stand ich schon lange, bevor er sich wirklich daranmachte, mit einem Hammer und einer Zange in den Händen um ihn herum und konnte meine Ungeduld kaum zügeln. Mit größter Spannung beobachtete ich dann, wie mein Vater das Stemmeisen zwischen die Kiste und den Deckel preßte, um die Nägel zu lockern, wobei er den Deckel oft sprengte. Unter diesem lag gewöhnlich eine dichte Schicht fein geschnittener Papierschnitzel und darunter wieder waren die kleinen Kästen, die allerhand Figuren aus Zucker oder Schokolade enthielten. Beim Auspacken fand sich dann oft etwas Zerbrochenes vor, wie ein Reiter, dem der Helm abgeschlagen worden war, ein Fähnrich, der seine Fahne verloren hatte, oder eine andere Gestalt, der Arm oder Bein fehlte. Von diesen zerbrochenen Stücken gab mir mein Vater oft das eine oder das andere, aber ich bezähmte meine Sehnsucht, die Sachen sogleich zu verzehren. Ich suchte mir einen kleinen Zweig oder sonst etwas, das wohl mit sehr viel Einbildung einen Christbaum vorstellen konnte, hängte den zerbrochenen Engel oder den verunglückten Reiter daran, um dann mit vielem Bedacht ein Stück nach dem andern herunter zu essen. Mein Bruder half mir in allen diesen Dingen, besonders im Essen. Ich erinnere mich eines Weihnachtsabends. Ich zählte ungefähr fünf Jahre, mein Bruder vier, als ich eine ganz kleine hölzerne Puppe bekam, die mich ungemein erfreute. Sie hatte kein Haar und konnte sich auch nicht viel bewegen, doch das merkte ich damals kaum. Ich saß auf dem weißgescheuerten Fußboden und spielte glückselig mit ihr. Mein Bruder hatte ein kleines Messer mit einer Klinge, wie man sie in unserer Gegend zum Weintraubenschneiden benutzt, erhalten und war sehr stolz darauf. Den nächsten Morgen saßen wir beide in unseren Hemdchen auf dem großen Tische, der mitten im Zimmer stand, und meine Mutter war daran, uns zu waschen. Sie hatte irgend etwas aus der Küche zu holen, und während sie draußen war, sagte mein Bruder, daß meine Puppe nicht schön sei, worauf ich erwiderte, daß sein Messer nicht schneide. Daraufhin frug er mich, ob er es an meinem Beine probieren solle. Ich erlaubte es sofort, worauf er das Messer unter meinem Knie ansetzte. Im nächsten Augenblick zeigte sich ein roter Streifen, und das Blut floß über das weiße Tuch, auf dem wir saßen. Ich glaube, mein Bruder war etwas erschrocken, doch nicht genug, um nicht triumphierend über meine vorherige Behauptung, das Messer schneide nicht, zu lachen. Sobald ich aber das Blut bemerkte, fing ich sehr zu weinen an, worauf meine Mutter hereinkam und erschreckt mein Bein in der Waschschüssel wusch. Nachdem das Blut gestillt war und ich mich beruhigt hatte, nahm sie meinen Bruder vom Tische herab und prügelte ihn mit einer Rute, die das Christkind am Vorabend gebracht hatte. Eines Tages wurden alle unsere Möbel aus der Küche und dem Zimmer geschafft und auf einen Wagen geladen. Als alles fort war, nahm meine Mutter mich und meinen Bruder bei der Hand und ging mit uns in ein anderes Haus, wo wir gleich beim Eintritt unsere alten Möbel erkannten. Es war schon ziemlich spät, meine Mutter gab uns unser Abendbrot und legte uns schlafen. Am nächsten Morgen waren wir beide, mein Bruder und ich, sehr beschäftigt. Wir liefen in...

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Angela Langer was a young woman from a middle-class German family with a passion for writing and art. Her diary, Stromaufwärts (which means 'Upstream'), captures the nine years of her life from age 21 until her untimely death at 30. We follow her daily life—her studies, her relationships with family and friends, her creative frustrations and small triumphs. The backdrop of her personal journey is the gathering political storm in Europe, which moves from a distant worry to an overwhelming reality that reshapes everything.

Why You Should Read It

This book is special because it lacks the polish of a memoir written for publication. It’s raw, immediate, and sometimes frustratingly ordinary, which makes it utterly believable. Angela’s voice feels modern in her desires for independence and creative fulfillment, yet she’s firmly rooted in her time. You witness her joy in a new idea, her irritation with social conventions, and her growing anxiety as war breaks out. It’s a powerful reminder that people in history weren’t just statistics; they had bad days, personal hopes, and no idea how their story would end.

Final Verdict

Perfect for readers who love immersive historical nonfiction, like the works of Ada Calhoun or Samuel Pepys’s diary, but from a fresh, female perspective. It’s also for anyone who enjoys character-driven stories where the 'plot' is simply a life being lived. Don’t pick this up for fast-paced action; pick it up to spend time with a thoughtful, relatable young woman from another century. Her upstream struggle feels remarkably familiar, and that’s what makes this forgotten diary so unforgettable.



⚖️ Open Access

This content is free to share and distribute. You are welcome to share this with anyone.

Lucas Anderson
1 year ago

Not bad at all.

Noah White
6 months ago

I didn't expect much, but the pacing is just right, keeping you engaged. I will read more from this author.

Mark Thomas
1 year ago

From the very first page, it creates a vivid world that you simply do not want to leave. I learned so much from this.

Paul Jackson
1 year ago

I had low expectations initially, however the plot twists are genuinely surprising. This story will stay with me.

Sandra Taylor
1 year ago

Helped me clear up some confusion on the topic.

5
5 out of 5 (5 User reviews )

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